Die Kaste als erweitertes Familiensystem in Indien
Wien [ENA] Wenn man über den christlichen oder Islamischen Kulturkreis nachdenkt zeigt sich, dass die monotheistischen Religionen grundsätzlich einen exklusiven Wahrheitsanspruch und Missionierungsauftrag haben, der durchaus unter Umständen auch gewalttätig eingefordert werden darf. Im Gegensatz zu den abrahamitischen Religionen, kennt aber der Hinduismus keine ausschließlichen Religionsgründer wie Jesus oder Mohammed.
Ausserdem gibt es keine Schriften, die Gläubige dazu auffordern, Ungläubige zu bekehren, denn andere Gottheiten werden nicht als Bedrohung für die eigene religiöse Identität angesehen, die ja tief in der ethischen Bindung und dem Familiensystem verwurzelt ist. So wird man in Indien in eine Kaste mitsamt den religiösen Besonderheiten hineingeboren. Insofern können Außenstehende gar nicht wirklich zum Hinduismus konvertieren, da sie nicht integrierbar sind. Damit gab es auch keine Voraussetzung andere Völker in die hinduistische Religionsgemeinschaft aufzunehmen. Unterstützt wird das kulturelle Weltbild durch die Begriffe Karma als Ursache und Wirkung und Samsara als Wiedergeburt, die jeder Seele ihren eigenen kosmischen Weg zugesteht.
Auch hat sich diese großzügige, aber durchaus tiefsinnige Philosophie, außerhalb Indiens hauptsächlich nur durch indische Händler, Priester und Gelehrte als kultureller Export verbreitet. In der Zwischenzeit hat sich aber auch in Indien viel geändert und das festgefügte System, das sich über Jahrhunderte entwickelt hat, steht vor großen Herausforderungen. Der Materialismus, in seinen vielen Erscheinungsformen, zu dem vielleicht auch der neue Hindu-Nationalismus gehört, führt auch im historisch religiös toleranten Land angeblich zu Zwangsbekehrungen christlicher oder muslimischer Minderheiten. Hindu-Nationalistische Organisationen argumentieren nämlich, dass alle Einwohner Indiens ursprünglich Hindus waren und fordern sie zur "Heimkehr" auf.




















































